Radurlaub Lombardei

HRC-RADURLAUB 2015 IN DER LOMBARDEI

Auch 2015 wurde die bewährte Kooperation zwischen dem HRC Wolfsberg und Gaber-Reisen fortgesetzt: Franz Britzmann stellte in aufwändiger Detailarbeit ein anspruchsvolles Wochenprogramm zusammen und Gilbert Gaber sorgte nicht nur für den Transport, sondern auch dafür, dass wir an den Etappenzielen auch immer ein Quartier vorfanden.

Am 1. Tag, dem 14. Juni 2015, waren wir – 4 Radlerinnen und 15 Radler – nach dem planmäßigen Start um 6 Uhr in Wolfsberg ganz darauf eingestellt, nachmittags schon in die Pedale treten zu können: von Curno (westlich von Bergamo) wollten wir die 45 km lange Strecke nach Vercurago am Lago di Garlate zur Lockerung der Muskeln nutzen. Das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, Gilbert steuerte daher gleich Vercurago an, wo es gar nicht leicht war, für seinen Reisebus samt Radanhänger einen Parkplatz zu finden. Vom Hotel trennte uns ein schmales, gepflastertes Sträßchen mit zwei Meter Breite, und als wir Gepäck und Räder ausluden, öffnete der Himmel seine Schleusen.

Am nächsten Tag schlug sich das Wetter auf unsere Seite und so konnten wir das Programm für den 15. Juni zur Gänze abspulen. Es wurde eine 110km lange Seen- und Bergrunde mit über 1800 Höhenmetern, die uns von Vercurago über Lecco zunächst nach Sormano führte. Die durch die klassische Lombardei-Rundfahrt berühmt-berüchtigte Muro di Sormano wurde nur von Gerold bezwungen, den wir daher auch zum Fahrer des Tages erklärten. Warum alle anderen diese Mauer buchstäblich links liegen ließen und sich mit dem „normalen“ Anstieg begnügten, ist schnell erklärt: 17% Durchschnittssteigung und 25% Maximalsteigung auf 1,7km Länge! Alle genießen konnten dagegen die folgende Abfahrt nach Nesso am Lago di Como, den wir entlang

fuhren, ehe es wieder in die Berge ging,

zur Kapelle der Madonna del Ghisallo, der Schutzheiligen der Radsportler. Das daneben liegende, 2007 eröffnete Radsportmuseum („Museo del Ciclismo“) hatte aus finanziellen Gründen bereits 2013 wieder schließen müssen. Am Ende dieser Etappe erwartete uns die maximal 18% steile Auffahrt zu unserem Hotel, zusätzlich erschwert durch die grobe Plattentektonik der Straße.

Die Etappe am 16. Juni von Vercurago nach Colmegna am Lago Maggiore (ca. 125 km und 1300 Höhenmeter) war vor allem eine verkehrstechnische Herausforderung – dichter Straßenverkehr, unzählige Kreisverkehre und Ampeln, da hieß es immer hochkonzentriert bleiben und sich nicht auf die Rücksicht der Autofahrer verlassen! Am Weg lagen aber auch Orte, in denen Radsportgeschichte geschrieben worden ist – die Straßenweltmeisterschaften in Mendrisio (in der Schweiz) und Varese waren noch einigen in Erinnerung. Am Anstieg nach Varese kamen einige vom Navi-Kurs ab, aber da auch andere Wege nach Colmegna führten, trafen wir dort vollzählig ein. Das Hotel in Colmegna lag direkt am Lago Maggiore, und so konnten wir auf einer Seeterrasse das vorzügliche Abendessen genießen, während der Regen, der uns tagsüber wieder verschont hatte, auf die Überdachung prasselte.

Am 17. Juni fuhren wir von Colmegna nach Morbegno (121 km, 1100 Höhenmeter).

Auf der Route lag Lugano in der Schweiz, und der lange Abschnitt am Luganer See beeindruckte landschaftlich ebenso wie durch die nicht wenigen Luxusbauten. Nach Porlezza ging es wieder in die Berge nach San Fedele Intelvi und hinunter zum Lago di Como, den wir per Fähre von Menaggio nach Varenna überquerten. Es folgten schnelle Kilometer das Seeufer entlang, ehe wir in östlicher Richtung nach Morbegno weiterfuhren. Morbegno ist kein großer Ort, aber das Suchen nach dem Quartier führte erst nach mehreren Anläufen zum Erfolg, so verwirrend waren die Straßenbezeichnungen. Vorher hatte Sergio in einem Kreisverkehr mit einem einheimischen Autofahrer einen heftigen Wortwechsel, der trotz der dabei gebrauchten unterschiedlichen Sprachen keinen Zweifel aufkommen ließ, was man einander zu sagen hatte. Die heutige Etappe hatte einiges zu bieten, viel Wasser für den weiten Blick, der prallen Sonne ausgesetzte knackige Anstiege und schattige Waldstücke zur Erholung.

Am 18. Juni wartete die „Königsetappe“ auf uns, auf der wir von Morbegno nach Clusone 106km (bei 3000 Höhenmetern) zurücklegten. Direkt in Morbegno beginnt der 26 km lange Anstieg auf den Passo San Marco, 1742 Höhenmeter am Stück! Die Strecke war infolge eines Erdrutsches, dessen Spuren auch noch deutlich zu sehen waren, als gesperrt ausgewiesen, aber wir ließen uns davon nicht abschrecken, sondern wagten die Fahrt in eine sehr entlegene, teilweise archaisch anmutende Welt: die Dächer etlicher Häuser waren mit Steinen gedeckt, spartanische Behausungen tauchten am Straßenrand auf, auf ganz steilen Hängen waren Menschen mit der Heuernte beschäftigt. Nach der Waldgrenze wartete eine imposante, felsige Landschaft, und wenige Kilometer vor der Passhöhe überquerte ein offensichtlich wohlgenährtes Murmeltier pfeifend die Straße. Der kalte Wind in fast 2000m Höhe war Grund genug, nicht lange zu verweilen, und so stürzten wir uns in die serpentinenreiche, genussvolle Abfahrt. Dabei kam uns eine große Gruppe offensichtlich sehr ambitionierter Rennradler entgegen, die ein intensives Bergtraining absolvierten – am Straßenrand stand ein Betreuerwagen vom Team Cipollini. Nach 30 km bergab folgte der Anstieg nach Dossena und dann sehr weitläufig über einen Bergrücken, der uns über seinen höchsten Punkt lange im Unklaren ließ, die Auffahrt auf den Passo di Zambla (1264 m). In Clusone erwartete uns starker Verkehr und rege Bautätigkeit. Unser Hotel lag direkt an der Durchzugsstraße, und so rechneten wir zwar mit einigem Verkehrslärm, aber nicht mit dem, was uns in der Nacht, kurz nach 4 Uhr früh, aus den Betten rieß: Lautes Glockengebimmel! Kuhglocken! Eine große Rinderherde wurde durch den Ort getrieben – möge sie eine saftige Weide gefunden haben!

Die Etappe am 19. Juni von Clusone nach Brescia (107 km, etwas über 1000 Höhenmeter) bot zum krönenden Abschluss noch einige Höhepunkte und Überraschungen. Nach einem Anstieg auf den Passo della Presolana (1297 m hoch gelegen) genossen wir die Abfahrt, die nach einer scharfen Wende in eine malerische Schlucht führte, mit einem Bach zur linken Seite und weit gespannten Schutznetzen rechts, um den Steinschlag von der Straße abzuhalten. Einige von uns vermieden einen langen Tunnel und wählten einen der Natur überlassenen alten Fahrweg, der uns abschnittsweise vom Rad zwang – eine abenteuerliche Crossstrecke, ein nicht-alltägliches Intermezzo. Die Urlaubsstimmung verstärkte sich noch, als der Lago d’Iseo auftauchte, an dessen Westufer wir südwärts radelten, ehe die letzten Kilometer nach Brescia führten.

Für das Gelingen eines Radurlaubes muss vieles zusammenpassen – verträglich-angenehme Mitradler, eine interessante, abwechslungsreiche Streckenführung, gute Betreuung, unfallfreies Fahren, Wetterglück. All das hatte die Lombardei-Rundfahrt 2015 des HRC Wolfsberg zu bieten. Jeder fand eine Gruppe, die dem eigenen Leistungsvermögen und den Ambitionen entsprach. Besonders hervorzuhaben sind die Auftritte unseres Damenteams Alexandra, Bettina, Ingrid und Irmi, das starke Akzente setzte. Ohne die Leistungen hier im einzelnen würdigen zu können, sei nur hervorgehoben, wie bravourös Bettina und Irmi die „Königsetappe“ mit dem Passo San Marco bewältigten. Dass unser Chauffeur Gilbert Gaber mit dem Rad insbesondere auf steilen Anstiegen seine Klasse aufblitzen ließ, soll auch nicht verschwiegen werden. Bei der Radverladung am Ende der Rundfahrt drängten sich übrigens fast alle um ein ganz spezielles Rad, um zu einer kurzen Probefahrt zu kommen – dem E-Bike von Franz F., der uns Rennradler während dieser Tage eindrucksvoll daran erinnerte, dass man auch in aufrechter Haltung Radfahren kann.

Es gäbe natürlich noch vieles zu erzählen – von den Selbstverständlichkeiten wie den üblichen Defekten, die alle in routinierter Weise behoben wurden, bis zu den unfreiwilligen Abkürzungen und Umwegen, von den Tempoverschärfungen und Sprints bis zu den gemeinschaftlichen Gelagen. Auskunft darüber und noch vieles mehr können geben:

Breithuber Burkhard

Britzmann Christoph

Britzmann Franz

Britzmann Ingrid

Fediuk Herbert

Froschauer Bettina

Froschauer Roland

Tassotti Alexandra

Sokoll Helmuth

Kopanz Ernst

Weber Walter

Weinländer Reinhold

Kriegl Bernhard

Neukam Gerold

Sarnig Josef

Ramirez Sergio

Rothleitner Irmi

Furian Franz

Gerald Angermann

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